Mit KI-gestützer Videoanalyse Kleinkinder vor dem Ertrinken schützen

Unabhängig von meinem Beruf bin ich vor allem auch Mutter. Und so wie andere Eltern auch, weiß ich: Man kann nicht jede Sekunde bei seinem Kind sein. Mal sitzt man auf dem Klo, oder man steht unter der Dusche – dankbar für einen kurzen Moment der Ruhe. Vielleicht kocht man gerade, weil der Hunger sonst zur Diva macht. Und wie alle anderen Eltern auch, vertraue ich in diesen Momenten darauf, dass irgendwo ein Schutzengel über unsere kleinen Lieblinge wacht – ganz besonders bei den Dingen, die man selbst im Alltag oft unterschätzt. Aber mit jedem Sommer wird man schmerzhaft daran erinnert, dass es eben nicht so ist.
Dann liest man wieder diese Artikel, die sich jedes Jahr wiederholen – und trotzdem nie abnutzen:
Ein Kleinkind ist im eigenen Pool ertrunken.
Ganz in der Nähe der Eltern. Ganz still. Und viel zu schnell.

Systeme können Leben retten

Zum Glück gibt es inzwischen Technologien, die helfen können, zumindest in öffentlichen Schwimmbädern. Dort kommen oft einfache Sensoren, die Bewegungen oder Druckveränderungen im Pool erkennen, zum Einsatz. Grosse Badebetriebe können mittlerweile auch auf komplexe Systeme wie KI-gestützte Ertrinkungserkennungslösungen setzen. Das Prinzip klingt vielversprechend: Die Kameras überwachen das Becken permanent. Die KI analysiert Bewegungen und schlägt Alarm, wenn sie erkennt, dass eine Person zu lange bewegungslos bleibt oder typische Muster eines Ertrinkungsvorgangs zeigt. Solche Systeme können Leben retten – in Schwimmbädern, wo viele Menschen baden, wo Rettungsschwimmer anwesend sind. Denn selbst modernste KI-Systeme haben Schwierigkeiten, echte Ertrinkungssituationen zu erkennen. Warum? Echte Ertrinkungsfälle sind glücklicherweise selten, aber genau das macht es für die KI schwer, sie zu „lernen“. Menschen, die ertrinken, rudern nicht, rufen nicht, winken nicht. Vor allem kleine Kinder fallen einfach – leise – ins Wasser und gehen unter. Es gibt kaum erkennbare Bewegungsmuster, die man zuverlässig mit KI auswerten kann.

Ein Kleinkind kann in weniger als 30 Sekunden bewusstlos werden

Und noch etwas: Sensoren und KI-Erkennung haben eines gemeinsam, sie schlagen erst Alarm, wenn das Kind bereits im Wasser ist. Und genau da liegt das Problem: In dem Moment, in dem ein Kleinkind ins Wasser fällt, beginnt der Wettlauf gegen die Zeit. Ein Kleinkind kann in weniger als 30 Sekunden bewusstlos werden und ertrinken. Warum so schnell? Weil Kinder, insbesondere unter fünf Jahren, einen viel höheren Sauerstoffverbrauch pro Kilogramm Körpergewicht haben als Erwachsene. Ihr Gehirn arbeitet intensiver, wächst schneller, und der gesamte Stoffwechsel ist auf Hochtouren. Gleichzeitig haben sie kleinere Sauerstoffreserven und weniger Lungenvolumen, was bedeutet, dass sie nicht lange die Luft anhalten können. Wenn die Atmung aussetzt und kein Sauerstoff mehr ins Blut gelangt, sinkt der Sauerstoffgehalt im Gehirn rapide. Bereits nach etwa 2 Minuten beginnen empfindliche Hirnbereiche, vor allem jene für Bewusstsein, Bewegung und Gedächtnis, dauerhafte Schäden zu nehmen. Nach 4 bis 6 Minuten kommt es zu massivem Zelltod im Gehirn.

Die einfache, aber effektive Lösung: Prävention durch virtuelle Sicherheitszonen

Statt auf komplexe Bewegungsanalyse im Wasser zu setzen, geht unsere Lösung einen viel einfacheren, zuverlässigeren Weg, sie greift davor ein. Die Kamera zieht einen unsichtbaren digitalen Zaun etwa einen Meter rund um den Pool. Diese sogenannte Sicherheitszone wird mit Hilfe von Vaidio, unserer KI-basierten Videoanalyseplattform, überwacht. Sobald ein Kind diesen Bereich betritt, erkennt die KI es über Gesichtserkennung. Das bringt zwei große Vorteile: Zum einen weiß das System genau, welches Kind es ist – auch wenn es barfuß ist, nasse Haare hat oder in Badekleidung unterwegs ist. Zum anderen lassen sich klare Regeln festlegen, um unnötige Alarme zu vermeiden. Zum Beispiel: Nur wenn das Kind diesen Bereich allein betritt, also ohne Sie oder eine andere Aufsichtsperson, soll sofort eine Nachricht auf Ihrem Handy erscheinen oder das Smart Home eine Warnung auslösen. Genau das passiert dann auch – und zwar bevor etwas passiert. Nicht erst, wenn das Kind schon im Wasser ist.

Fazit: Sicherheit beginnt vor dem ersten Schritt ins Wasser

Kein System der Welt kann uns Eltern unsere Verantwortung abnehmen – aber Technologie kann uns dabei helfen, genau dann einzugreifen, wenn es wirklich zählt. Die traurige Wahrheit ist: Viele Unfälle passieren nicht, weil niemand da war, sondern weil niemand rechtzeitig wusste, dass etwas passiert. Und genau da setzt unsere Lösung an. Statt zu reagieren, wenn es schon zu spät ist, schützt unser System proaktiv. Es erkennt, wenn ein Kleinkind allein in einen gefährlichen Bereich tritt – und warnt, bevor das Kind im Wasser ist. Ein unsichtbarer Schutzengel, den man installieren kann. Für all die Momente, in denen wir gerade nicht hinschauen.

Quellen:

Picture of Anne-Katrin Michelmann

Anne-Katrin Michelmann

Datum: 18.07.2025